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Egger Biathlon

23.04.2022 | Mit Bravour in grossen Fussstapfen

Er ist wohl weit und breit der jüngste Präsident eines Organisationskomitees, der einen Sportanlass dieses Ausmasses durchgeführt hat und dies mit riesigem Erfolg. Allerdings durfte der Sekundarschüler auch auf sensationelle Helfer, Teilnehmer, grosszügige Sponsoren und begeisterte Zuschauer zählen.

«Am meisten gefreut hat mich, dass so viele junge, aber auch ältere Sportler Interesse an diesem Sommerbiathlon gezeigt haben», lautete das Fazit des erschöpften Eggers Kilian Birch-er am vergangenen Samstagabend. Er strahlte aber wie die von der Bäckerei Schefer geschenkten grossen «Einsiedler Sünneli», die er allen Podestläufern als Medaillen überreichen durfte.

Abschlussarbeit der Sekundarschule

Noch vor zehn Tagen hatte es nämlich gar nicht nach vielen Teilnehmern ausgesehen, dabei hatte doch der knapp 16-Jährige, der diesen Sportanlass als seine Abschlussarbeit der Sekundarschule gewählt hatte, schon im Voraus alles getan, damit sich Jung und Alt in dieser herausfordernden und gleichzeitig faszinierenden Sportart versuchen konnten.

Er, selber ein begeisterter Biathlet, setzte, unterstützt vom Skiclub Einsiedeln, ganz professionell ein Organisationskomitee zusammen, das alle Aufgaben abdeckte, die eine solche Veranstaltung erfordern. Und das sind doch etliche, wie er dann in stunden- und tagelanger Arbeit feststellen musste. So galt es den ganzen Anlass seitens des Sports mit Wettkampfgelände, Schiessplatz, Gewehren, Streckenplan und -sicherung, zeitlichem Ablauf, Kategorien, Startnummern, Absperrmaterial, Verkehrsregelung und natürlich diversen Bewilligungen zu planen.

Aber auch Ausschreibung, Sponsorensuche, Printpresse und Information über soziale Medien, Technik, Zeitmessung, Start- und Rangliste, Preise und nicht zuletzt die Verpflegung für alle Anwesenden mussten an die Hand genommen werden. Hätten ihn dabei nicht seine eigene und die Biathlon-Familie, Trainer, der Skiclub Einsiedeln, Betreuer, Freunde, Lehrpersonen, Mitschüler und Biathlonbegeisterte immer wieder unterstützt und motiviert, wäre er mehr als einmal drauf und dran gewesen, das Projekt zu begraben. Zum Glück hat er durchgebissen, hat es doch in der vergangenen Woche bis zum Tag des Anmeldeschlusses nur so von Anmeldungen gehagelt. Vom Neuling bis zum Routinier

Besonders erfreulich war dabei, dass die 77 Teilnehmer ein völlig durchmischtes Feld von Kleinen und Grossen, von Anfängern und Aktiven, guten Läufern und Schützenlaien, aber auch ehemaligen und zukünftigen Sportgrössen boten. Selbst die Sekundarlehrerin Shannon Hürlimann, die gleichzeitig Kilians Betreuerin der Abschlussarbeit ist, liess es sich zusammen mit neun Schülern ihrer Klasse nicht nehmen, erstmals einen Biathlon zu absolvieren. Gleich tat es ihr auch Kilians zukünftiger Lehrmeister Andreas Zehnder, ebenfalls ein völliger Neuling in dieser Sportart, aber angetan von der Einladung seines nächsten Lehrlings.

Auch altersmässig gab es riesige Unterschiede. Beim Single Mixed Show-Wettkampf der aktiven Nachwuchsbiathleten stand nämlich mit der elfjährigen Jonna Keller zur Überraschung aller die Kleinste zuoberst auf dem Podest, allerdings allein, weil ihr Partner Lavio Müller bereits weitere Verpflichtungen hatte.

Die Jüngste war neun

Die jüngste Teilnehmerin, Anouk Schober, war gerade mal neunjährig, während sich sogar der zweifache Olympia-Medaillengewinner in der Nordischen Kombination, Andreas Schaad, mit Jahrgang 1965 der Älteste, erstmals in seinem Leben an einen Biathlon-Wettkampf wagte. Was ihn aber nicht daran hinderte, auf dem Schiessplatz mit null Schiessfehlern aufzutrumpfen, obwohl er zuvor tief stapelte und meinte, er habe im Militär immer daneben geschossen, weil er nicht weitermachen wollte.

Dieses Schiessresultat berechtigte ihn dann mit allen anderen Null-Fehler-Schützen zur spannenden Teilnahme um den Titel «Bester Schütze». Während den jeweils ausser Atem auf dem Schiessplatz angekommenen Biathleten zuvor das Schiessen etwas erleichtert worden war, indem sie liegend und mit aufgelegtem Gewehr auf eine Zielscheibe von 3,5 Zentimetern Durchmesser schiessen durften, gab es im Stechen um den besten Schützen kein Pardon mehr und es galt, die Scheibe mit 1,5 Zentimetern Durchmesser zu treffen. Nur wer hier die Nerven behielt und die ruhigste Hand hatte, kam eine Runde weiter. Unerwartet für alle schaffte es einer der jüngsten Teilnehmer, der elfjährige Zürcher Julius Weishaupt, all seine Konkurrenten auszubooten und sich den begehrten und gesponserten Preis, ein speziell für diesen Wettkampf hergestelltes wunderschönes Mini-Biathlongewehr aus Holz, zu ergattern.

Ein Tag der Generationen

Die sympathische Atmosphäre an diesem auch wettermässig gefreuten Tag wurde aber nicht nur von den motivierten Wettkämpfern geprägt. Nebst den aufgestellten OK-Mitgliedern und Helfern erwiesen zahlreiche Eltern der jungen Sportler, weitere Biathlon- Interessierte und ehemalige Aktive und Funktionäre dem Anlass alle Ehre.

Allen voran war dies Martin Kälin, vor Jahren der Mister Biathlon schlechthin, der Egg in den Achtzigerjahren zur weltweiten Biathlon-Hochburg machte, indem er als OK-Präsident 1985 die Junioren- und die ersten Damen- Weltmeisterschaften, 1988 Schweizermeisterschaften und drei Jahre später auch den europäischen Alpencup durchführte und sich in seiner ruhigen Art riesig über diesen «Revival» freute. Nicht umsonst meinte sein «Nachfolger» Kilian Birchler: «Da muss ich aber in grosse Fussstapfen treten!» Aber auch Jost Mächler, mehrmaliger Medaillengewinner in Egg und seit über 20 Jahren aktiver Präsident der Vereinigung Biathlon Schweiz, verfolgte mit viel Spass die Rennen und dankte dem engagierten Sekundarschüler für seinen Einsatz mit herzlichen Worten und einem tollen Erinnerungsgeschenk. Ebenso lies-sen es sich die ehemaligen erfolgreichen Einsiedler Biathleten Erich und Beat Schönbächler und ihr Vater Erich nicht nehmen, dem Wettkampf in Egg einen Besuch abzustatten, zumal auch dessen Enkel Noel und Loic bereits wieder vom Biathlonfieber gepackt sind.

Noch einmal nahm schliesslich Kilian das Mikrofon zur Hand, und er überraschte wie so oft während dieses Tages die Leute mit seiner kommunikativen Art. Er vergass dabei in seinem Dank nämlich nicht, dass ohne all seine Heinzelmännchen und -frauchen wie beispielsweise Erica Bruhin mit ihren ausgezeichnet mundenden Penne, dem Kuchen- Schlaraffenland von zahlreichen Bäckerinnen oder der Familie Keller an allen Fronten, den ausserordentlich grosszügigen Sponsoren und an erster Stelle ohne seinen Vater Christoph, ein solch rundum gelungener Biathlonanlass nie möglich gewesen wäre.

Bericht: Marlies Mathies

Skiclub Einsiedeln, 8840 Einsiedeln